Freunde der Kunsthalle Rostock e.V.

 

Vortrag

 „Wie die DDR-Kunst in den Westen kam“

Friedhelm Niggemeier

17.12.2015, 18:30 Uhr

Am Donnerstag, den 17. Dezember 2015, um 18:30 Uhr laden die Freunde der Kunsthalle im Nachgang der Ende November nach leider nur einem Monat zu Ende gegangenen Ausstellung „1965/2015 Die Biennale der Ostseeländer – Der Ursprung der Kunsthalle“ zu einem Vortrag unseres Mitglieds Friedhelm Niggemeier über den Weg der DDR Kunst in den westlichen Teil Deutschlands.

 

Ort und Zeit:   Kunsthalle Rostock, Donnerstag, 10.12.2015, 18:30 Uhr

                          Vortrag Friedhelm Niggemeier

Zum Vortrag:

Günter Grass 1982

„Es lässt sich gröber und genauer nicht sagen: In der DDR wird deutscher gemalt. Der Staat und seine Bürger tragen sichtbar schwerer und ausfluchtloser

an der deutschen Vergangenheit.

Zudem wurde dem jungen Staat Stalins Mitbringsel zugemutet, der den Malern

dieser Republik aufgebürdet wurde: Der „Sozialistische Realismus“ konnte nicht  einfach abgeschüttelt werden.“

 

Fluchten und Ausbürgerungen von Künstlern aus der DDR von 1953 bis 1980

Günter Ücker, Horst Strempel, Gerhard Richter, Georg Baselitz, Roger Loewig, Gerhard Altenbourg, A.R. Penk (= Ralf Winter)…

 

Ausstellungen mit DDR-Künstlern in der BRD

1968      Darmstadt Ausstellung „Menschenbilder“

ab 1970  Sammlung Ehepaar Peter u.  Irene Ludwig

1975      Kunsthalle Hamburg

1977      Galerie Brunsberg Hannover

1977      documenta Kassel: 103 Bilder                                                                                                

1978       Bremen

1980       Hannover

1982       228 Werke  „Verkaufsausstellung“

               Malerei und Grafik aus der DDR 

 

Die Entwicklung der Kunst in der DDR und BRD ging nach 1945 nur eine kurze Zeit einen gemeinsamen Weg. 

Bereits 1951 fordert Walter Ulbricht: „Wir wollen in unseren Kunstschule keine abstrakten Bilder mehr sehen.“ Die sich anschließende Formalismusdebatte verunglimpfte fast die gesamte Moderne.

Die Kunstfunktionäre bleiben bei ihrer Position: „Realismus, das heißt Schönheit durch Wahrheit.“ Die Kunst hat eine gesellschaftliche Funktion zu haben. Kunst um der Kunst willen ist nicht erwünscht

Zahlreiche Künstler verlassen die DDR und beeinflussen somit die Westkunst,

In den 60er Jahren gibt die Partei die Losung aus: „Der sozialistische Realismus gestattet nicht nur viele Gestaltungsmöglichkeiten und Stile, er fordert sie sogar.“ Erich Honecker fordert 1971 die Künstler auf, „Weite und Vielfalt der gestalterischen Möglichkeiten“ zu erproben.

Im Zuge der Ostpolitik des Sozialdemoraten Willi Brandts (ab 1973), duldete die SED-Führung zunehmend die Entfernung vom sozialistischen Realismus.

Die Teilnahme von DDR-Künstlern an der internationalen documenta 6 im Jahre 1977 in Kassel – in Kooperation mit dem Staatlichen Kunsthandel der DDR – kommt einem Fanal gleich. Die Teilnehmerliste stellt gleichsam das Spiegelbild der bekanntesten Künstler der DDR dar. Zu einem Eklat kam es, als gerade ehemalige republikflüchtige Künstler den Kollegen aus dem Osten jegliche Solidarität verweigerten. So zogen Gerhard Richter und Georg Baselitz ihre Bilder aus der Ausstellung ab, weil sie „Anpassern“ des DDR-Regimes nicht tolerieren konnten.

Die Aktivitäten des Kölner Schokoladenfabrikanten Peter Ludwig waren ihnen bekannt. Er sammelte seit den 70er Jahren Kunst aus Osteuropa, darunter mehr als 600 Werke aus der DDR. Er suchte persönlich den Kontakt mit den Künstlern und wickelte den Kauf der Bilder mit dem Staatlichen Kunsthandel der DDR ab. Indem er die Bilder in der BRD öffentlich zeigte, wurde nach seiner Meinung „die deutsche Kunst ganz ‚deutsch’“. Seine langwierige Suche nach geeigneten Museumsstandorten zeigt die latente Ablehnung der Kunst aus dem Osten selbst bei den sog. Fachleuten.

Für den Durchbruch sorgte eine Verkaufsausstellung des Staatlichen Kunsthandels der DDR in Zusammenarbeit mit der Galerie Brusberg in Hannover im Jahre 1982. Von 13 Künstlern konnten Werke erworben werden. Die Bilder zeigen, dass Kunst und Politik in der DDR dem Idealtypus der sozialistisch-realistischen Kunst ab Mitte der 7oer Jahre eine Absage erteilten. Es ging jetzt um eine „dialogische Kunst“, die eine Überbrückung der Kluft von Volk und Kunst anstrebte. Für Günter Grass „fangen die Bilder an sich zu gleichen. Kein Schein will mehr trügen.

Bildbeispiel aus der Sammlung der Kunsthalle

Manfred Kastner „Grenzbahnhof“ 1984

Weitere Informationen über unsere sonstigen Aktivitäten finden Sie unter „fdkh-r.de“

 

 

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